Raketenmüllabfuhr
Vier Drohnen, ein Netz, eine Rakete. Das Netz reißt. Level 1 ist der Scanner.
Raketenmüllabfuhr ist die verworfene Frühidee von Stachelschwein DDS: ballistische Raketen mit Netzen zwischen Drohnen fangen. Eine Grad-Rakete mit 66 kg bei 715 m/s trägt rund 17 Megajoule nur als Bewegung. Das ist kein Fischfang. Der Scanner auf dem Dach ist es.
Raketenmüllabfuhr ist die verworfene Frühidee von Stachelschwein DDS: ballistische Raketen mit Netzen zwischen Drohnen in Säcke stecken. Die Frage kam als Bonus, nicht als Auftrag. Vier Drohnen halten ein Netz. Eine ballistische Rakete fliegt rein. Was passiert?
Wenn die Raketen nicht freiwillig auf den Müll gepackt werden, dann muss eben die Müllabfuhr zu den Raketen kommen.
Der Satz bleibt. Die Produkt-Navi bekommt ihn nicht. Level 1 ist der Scanner auf dem Dach. Raketenabwehr überlassen wir dem Militär, bis Ohren existieren, die man messen kann.
Vier Drohnen spannen ein Netz auf wie ein Fischernetz. Eine Rakete fliegt rein.
Zieht sich das Netz lang und verfängt sich? Ist da ein Loch, und die Rakete ist durch? Freunde sagten: zu schnell, zu hart, fliegt einfach durch. Die grobe Physik gibt ihnen recht, und zwar schon lange bevor jemand ICBM sagt.
Anti-Drohnen-Netze fangen Quadrocopter und langsame Flächenflugzeuge, weil die langsam sind, leicht sind, und offene Rotoren haben, in denen sich Schnüre sofort verheddern. Fortem DroneHunter und der deutsche Argus A1-Falke arbeiten in dieser Liga. Eine Shahed-136 liegt bei rund 185 km/h. Das ist Netz-Territorium.
Eine Grad-Rakete 9M22 wiegt 66 kg und erreicht nach sowjetischer Ballistik rund 715 m/s. Bewegungsenergie:
E = ½ × 66 × 715² ≈ 17 MJ
TNT setzt rund 4,2 MJ pro Kilogramm frei. 17 MJ sind also grob vier Kilogramm TNT, nur als Bewegung, ohne Sprengkopf. Vier Multirotoren plus ein paar Kilo Dyneema können das weder aufnehmen noch umlenken.
Loch. Abriss. Kaum Bahnänderung.
Bei diesen Relativgeschwindigkeiten hat das Material keine Zeit, sich wie ein Seil zu dehnen. Der Impuls sitzt lokal so hoch, dass Fasern reißen oder schmelzen. Ergebnis: ein Riss oder ein Loch, die Rakete fliegt weiter, kaum langsamer.
Wenn sich das Netz verhakt, reißt es an den Befestigungen oder reißt die Drohnen mit. Impulserhaltung: vier mal fünf bis zwanzig Kilogramm gegen 66 kg bei 715 m/s, die Drohnen werden weggeschleudert, die Bahn der Rakete ändert sich kaum.
„Zieht sich lang und verfängt sich“ wäre das Wunschbild, wie ein Fischernetz um einen langsamen Fisch. Dafür braucht man Masse, Anker, Zeit und Luftwiderstand. Ein weiches Netz zwischen vier leichten Trägern ist kein Anker.
Kleine Störung der Bahn, ein Taumeln, ein früher Zünder: das ist der Gedanke hinter Käfigen gegen FPV am Boden. Bei einem ballistischen Gefechtskopf mit Aufschlagzünder und steilem Anflug ist das unsicher und kein Abfangen.
That escalated quickly. Ein 50-Meter-Sack um den Knall bleibt Bild, keine Konstruktion. Der Sack säße in der Feuerkugel.
„Normale Raketen“ sind nicht Mach 20. Trotzdem Stahl bei Mach 2.
Mach 20 ist ICBM-Wiedereintritt. Darunter liegen mehrere Klassen, und genau das entscheidet, ob Drohnen mitreden.
| Ziel | Tempo | Netz / Ram? |
|---|---|---|
| Shahed-136 / Geran-2 | ~185 km/h | ja, das ist die Liga |
| Düsen-Einwegdrohne | 300 bis 600 km/h | schon knackig |
| Kalibr, Ch-101 | ~700 bis 900 km/h | theoretisch, praktisch SAM |
| Grad 9M22 | ~715 m/s | nein |
| GMLRS / HIMARS | Einschlag um Mach 2,5 | nein |
| Iskander-Klasse | mehrere Mach in der Endphase | nein |
Wer „keine ICBM, nur normale Raketen“ sagt, landet meist bei Grad, HIMARS, Iskander. Das ist eine andere Physik als Shahed.
100 Quadcopter ändern die Klasse nicht. Der Aufwand steigt.
100 typische Quads à 5 kg sind 500 kg hängende Masse. Die stehen praktisch still. Die Grad bringt rund 47.000 kg·m/s Impuls mit. Das Netz muss das in Millisekunden aufnehmen. Fasern reißen lokal, bevor 100 Träger merken, dass etwas passiert ist. Mehr Träger heißt mehr Schnüre, die gleichzeitig reißen. Kein Anker.
Eine Grad-Salve sind 40 Rohre in etwa 20 Sekunden. Du bräuchtest nicht ein Netz, sondern viele, an vielen Orten, metergenau, bei Wind, nachts, unter Gegenelektronik. Das ist kein Physik-Upgrade. Das ist ein Logistikalptraum.
Gegen Shaheds: Schwärme von Abfängern ja. Gegen eine einzige Grad: das Netz bleibt Papier.
Du bist der Käfer an der Windschutzscheibe.
Angriffsdrohnen, die mit Masse gegen die Raketenspitze knallen, sind die ukrainische Interceptor-Logik gegen Shaheds. Gegen eine Grad-Nase ist der Impulsübertrag fast leer. 2 bis 8 kg Plastik gegen 66 kg Stahl, oder gegen eine gehärtete ogivale Nase. Der Quad zerlegt sich an der Nase, die Nase nicht am Quad.
Treffen ist das eigentliche Problem. Ein 122-Millimeter-Rohr bei Schallgeschwindigkeit plus, aus einer schwebenden Drohne anzufahren, ist ein Führungsproblem in Sekundenbruchteilen. Gegen Shahed (langsam, groß, propellergetrieben, Minuten Zeit) ist das gelöst. Gegen Grad nicht mit billigen Multirotoren.
Ein Sprengkopf auf dem Abfänger macht daraus keine Netzstory mehr, sondern eine kleine Luft-Luft-Waffe. Das ist näher an einer billigen Rakete als an Stachelschwein.
Das einzige berühmte „Netz“ gegen ICBM war ein starrer Hammer.
Homing Overlay Experiment, 10. Juni 1984: erster erfolgreicher Hit-to-Kill gegen einen ICBM-Dummy außerhalb der Atmosphäre. Das Overlay war ein aufklappbares Speichen-Schirm-Gebilde, rund 4 Meter Durchmesser, Aluminiumrippen und Stahlgewichte am Kill-Vehicle selbst. Relativgeschwindigkeit in der Größenordnung 6 km/s. Kein weiches Fangnetz. Ein größerer starrer Hammer. Daraus wurden die heutigen Exo-Kill-Vehicles.
Patente für Netz-Interceptor gegen RPGs und Marschflugkörper gibt es. Alexander Bolonkin hat um 2008 AB-Nets vorgeschlagen: Fasernetze, die einen Bremsschirm an die Rakete hängen. Konzeptarbeiten, keine eingeführten Systeme.
Praxis der letzten Jahrzehnte: Iron Dome, David’s Sling, Arrow, Patriot, THAAD, SM-3, GMD. Raketen gegen Raketen, Hit-to-Kill oder Splitter. Laser gegen Drohnen, teils gegen Raketen im Boost. Weiche Netze sind das Werkzeug gegen Drohnen und RPGs. Cope Cages über Stellungen sind eine andere Liga als eine Iskander im Sturzflug.
Wir skippen Raketenabwehr for now und überlassen das erstmal dem Militär.
Wir machen erstmal Level 1 und können später immer noch leveln. Level 1 ist der Stachelschwein-Scanner: Remote ID, Schall, später Funk und Kamera, Fusion in der Zentrale. Abfang gegen Shahed-Klasse bleibt gezeichnet, nicht Woche eins. Raketenmüllabfuhr bleibt Magazin.
Die sinnvolle Beute für Dächer, billige Sensoren und viele kleine Abfänger ist die Shahed-Klasse, vielleicht irgendwann langsame Marschflugkörper, wenn die Abfänger fliegen wie kleine Jagdflugzeuge, nicht wie Kameradrohnen. 100 Quadcopter machen aus einem Netz kein Patriot.
Stachelschwein DDS hört zuerst. Die Müllabfuhr im Himmel kommt, wenn die Ohren stehen.